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Damals wars: Höchster Sieg auf fremdem Platz

Bei Eintracht Frankfurt setzten die Herthaner eine neue Bestmarke.

Berlin - In über 120 Jahren Vereinsgeschichte erinnern sich Herthaner an eine Reihe von bemerkenswerten Spielen. Bei EIntracht Frankfurt gelang am 28. Januar 1978 der bisher höchste Auswärtssieg in Herthas Bundesliga-Geschichte.

Vorgeschichte: Als Tabellendritter ging es für die Berliner an diesem Tag zur Frankfurter Eintracht. Die Hinrunde war anfänglich nicht so ganz nach den Vorstellungen der Herthaner gelaufen, die ersten Wochen verbrachten die Blau-Weißen in der zweiten Tabellenhälfte. Ab dem 11. Spieltag legten die Hauptstädter eine bemerkenswerte Serie hin, die sie in die Spitzengruppe der Bundesliga führte. Vor der Partie gegen die Frankfurter betrug der Abstand auf die Hessen gerade einmal zwei Punkte.

Ablauf: Von optimalem Fußballwetter ließ sich an jenem 28. Januar 1978 bei weitem nicht sprechen. Bei strömendem Regen hatten sich daher auch gerade einmal 18.000 Zuschauer im Frankfurter Waldstadion eingefunden. Die Herthaner begannen aus einer stabilen Abwehr um Libero Holger Brück und Hans 'Hanne' Weiner heraus und sorgten mit schnellen Kombinationen immer wieder für viel Gefahr für das Tor von Jupp Koitka. Frankfurts Keeper musste mehrfach retten, nachdem sich Bernd Gersdorff wiederholt dynamisch über die linke Seite durchgesetzt hatte. Auf Seiten der Gastgeber versuchte sich Dragoslav Stepanovic hin und wieder, fand seinen Meister jedoch in Norbert Nigbur zwischen den Pfosten der Herthaner.

Die Führung der Gäste ging dann auf das Konto eines Defensivmannes: Weiner startete in der eigenen Hälfte, ließ sich bis in Frankfurts Strafraum nicht vom Ball trennen und schloss aus elf Metern zur Führung ab (36.). Die Eintracht suchte nach der passenden Antwort, doch nach Vorarbeit von Jürgen Grabowski vergab Roland Weidle die Gelegenheit zum Ausgleich. Ansonsten stand die Berliner Defensive hervorragend und ließ kaum Chancen der Hausherren zu. Es blieb jedoch bei der nur knappen Führung nach den ersten 45 Minuten.

Auch nach dem Seitenwechsel hatten die Schützlinge von Hertha-Trainer Kuno Klötzer die Begegnung im Griff. Besonders über die agilen Außenbahnspieler setzten die Herthaner die Eintracht immer wieder unter Druck. Wie auch schon bei der Führung ging dem zweiten Tor eine starke Einzelleistung voraus. Jörgen Kristensen setzte sich gegen fast die halbe Frankfurter Mannschaft durch und erhöhte auf 2:0 (53.). Und das dritte Tor ließ nur weitere drei Minuten auf sich warten. Nachdem Koitka Gersdorff im letzten Augenblick noch gestoppt hatte und kurz darauf auch Weiners Schuss pariert hatte, musste er sich bei Gersdorffs Nachschuss geschlagen geben (56.).

Grabowski hatte nach einer guten Stunde mit einem Pfostenschuss die beste Gelegenheit der Hessen, den nächsten Treffer erzielten jedoch wieder die Blau-Weißen. Nach einer sensationellen Passstaffette über viele Stationen landete der Ball schlussendlich bei Gersdorff, der den vierten Treffer markierte (70.). Und die Gäste hatten weiterhin nicht genug. Neuberger wusste sich im Strafraum gegen Granitza nur mit einem Foul zu behelfen, den fälligen Strafstoß verwandelte der starke Brück souverän zum 5:0 (78.). In der Folge ließen es die Herthaner etwas ruhiger angehen, sodass es bei dem Ergebnis blieb.

Historische Einordnung: Die Blau-Weißen feierten mit dem 5:0 den immer noch höchsten Auswärtssieg ihrer Bundesliga-Geschichte und festigten damit Tabellenplatz 3 hinter dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Diese Reihenfolge hatte auch am 34. Spieltag Bestand und berechtigte für die Teilnahme am UEFA-Pokal der folgenden Saison, die bis ins Halbfinale gegen Roter Stern Belgrad führte.


Stimmen zum Spiel:

Kuno Klötzer (Trainer Hertha BSC): "Während das Spiel in der ersten Halbzeit ausgeglichen war, wendete es sich nachher zu unseren Gunsten. Die Eintracht setzte alles auf eine Karte und lief in die Konter. Schon nach 30 Minuten zeichnete sich ab, dass unsere Spielanlage besser war."

Dettmar Cramer (Trainer Eintracht Frankfurt): "Wenn man gegen eine so abwehrstarke Mannschaft 0:3 zurückliegt, muss man halt angreifen. Wir haben das getan und sind in die Konter gelaufen. Für solch eine Niederlage gibt es dennoch keine Entschuldigung."

Jürgen Grabowski (Eintracht Frankfurt): "Das waren heute keine taktischen Fehler oder Probleme des Deckungssystems, das war ganz einfach Schwäche, was wir geboten haben. Die vier ersten Tore der Berliner waren wie von einer Weltklassemannschaft gegen eine Kreisklassenmannschaft herausgespielt."

Karl-Heinz 'Charly' Körbel (Eintracht Frankfurt): "Ich hatte andauernd das Gefühl, dass die Berliner zwei Mann mehr auf dem Platz gehabt hätten."

   
Das Spiel im Stenogramm:

Termin:
Samstag, 28.01.1978, 15.30 Uhr
Wettbewerb: 1. Bundesliga, Saison 1977/78, 23. Spieltag

Aufstellungen:
Eintracht Frankfurt:
Jupp Koitka - Helmut Müller, Willi Neuberger, Karl-Heinz Körbel, Dragoslav Stepanovic (73. Egon Bihn) - Peter Krobbach, Roland Weidle (60. Peter Reichel), Bernd Nickel, Jürgen Grabowski - Bernd Hölzenbein, Rüdiger Wenzel
Hertha BSC: Norbert Nigbur - Holger Brück - Michael Sziedat, Uwe Kliemann, Hans Weiner - Dieter Nüssing, Wolfgang Sidka, Erich Beer, Bernd Gersdorff (82. Ole Rasmussen) - Karl-Heinz Granitza, Jörgen Kristensen (65. Gerhard Grau)

Tore: 0:1 Weiner (36.), 0:2 Kristensen (53.), 0:3 Gersdorff (56.), Gersdorff (70.), 0:5 Brück (78, Foulelfmeter)
Gelbe Karten: Grabowski - Kliemann

Schiedsrichter: Jan Redlefs (Hannover)
Spielort: Waldstadion, Frankfurt
Zuschauer: 18.000

(war/dpa)