Abenteuer Bundesliga

Mit Gründung der Bundesliga 1963 trug Hertha nun seine Spiele im größeren Olympiastadion aus, der traditionelle Spielort am Gesundbrunnen diente nur noch für Freundschaftsspiele oder Spiele der Intertoto-Runde. 50.074 Zuschauer kamen bei Eintrittspreisen zwischen 1,- (Schüler) und 14,- DM (Tribüne) am 24. August 1963 zum ersten Bundesligaspiel gegen den 1.FC Nürnberg. Schimmöller erzielte in der 63. Minute per Elfmeter den 1:1 Endstand (nach zwischenzeitlicher Führung in der 40. Minute durch Nürnbergs Morlock), das erste Bundesligator für Hertha BSC. Insgesamt spielte Hertha an diesem Tag mit: Tillich; Rehhagel, Schimmöller; P. Schlesinger, Eder, Altendorff; Rühl, Klimaschefski, Harald Beyer, Faeder, L. Steinert. Kurz nach dem Mauerbau war es schwer, hochklassige Spieler zu einem Engagement in Berlin zu bewegen. Die Verantwortlichen ließen sich deshalb dazu hinreißen, den Spielern höhere Handgelder als erlaubt zu zahlen. Der DFB verurteilte den Verein schließlich zum Zwangsabstieg in die Regionalliga. Gleichzeitig wurde die Bundesliga von 16 auf 18 Vereine aufgestockt, der Tabellenletzte Schalke 04 musste deshalb nicht absteigen, und als Berliner Ersatz für Hertha BSC rückte Tasmania 1900 in die Bundesliga nach. In den folgenden Jahren schaffte Hertha jeweils souverän die Meisterschaft in der Regionalliga, scheiterte aber sowohl 1966 wie 1967 in der anschließenden Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Erst 1968 gelang die Rückkehr in die höchste deutsche Spielklasse. Wurde Hertha 1968/69 noch 14., schaffte Hertha ein Jahr später bereits einen hervorragenden 3. Platz. In diese Saison fiel auch der bisher immer noch gültige Zuschauerrekord in der Bundesliga. Am 26.9.1969 sahen offiziell 88.075 Zuschauer den 1:0 Sieg der Berliner über den 1.FC Köln. In dem neu eingeführten Messepokal (dem Vorläufer des UEFA-Pokals) erreichte Hertha immerhin das Viertelfinale. Nach einem 1:0 Hinspielsieg schied Hertha am 18.3.1970 durch eine 2:0 Niederlage im San Siro Stadion gegen den AC Mailand aus. Im folgenden Jahr wurde der Verein erneut Dritter, im UEFA-Pokal war diesmal aber bereits in der 2. Runde gegen Spartak Trnava Endstation. Dieses Jahr war aber zugleich eines der schwärzesten für die junge Bundesliga. Einen Tag nach Saisonende machte der Präsident der abgestiegenen Kickers Offenbach auf seiner Geburtstagsparty von ihm mitgeschnittene Telefongespräche öffentlich und deckte damit den Bundesligaskandal um verschobene Spiele im Abstiegskampf auf. Insgesamt 10 Vereine, u. a. Rot-Weiß Oberhausen, Arminia Bielefeld waren darin verwickelt. Insgesamt wurden 52 Spieler, darunter 15 bei Hertha BSC und sechs Funktionäre, darunter Wolfgang Holst drastisch bestraft. Wolfgang Holst wurde im Dezember 1977 schließlich begnadigt und führte Hertha von 1979 bis 1985 dann als Präsident. Plötzlich hatte der Verein keine Mannschaft mehr, außerdem kehrten die Zuschauer der Bundesliga den Rücken. Waren in der Saison 1970/71 noch knapp 44.000 Zuschauer ins Olympiastadion gekommen, so sank die Zahl im Jahr darauf auf nur noch 23.000. Ein kompletter Neuaufbau musste bewältigt werden und der Berliner Senat, welcher einwilligte, Hertha zu unterstützen, forderte eine neue Hertha-Führung. Dieses schwere Erbe wurde von dem damaligen Chef der Deutschlandhalle, Heinz Warneke angetreten. Er sah nur den Verkauf der altehrwürdigen Plumpe als Rettung vor dem Konkurs an. So musste ein Teil der Geschichte Herthas geopfert werden. Wo früher der Ball rollte, findet sich heute eine dichte Wohnbebauung. Sportlich konnte Hertha sich wieder fangen. 1974/75 feierte der Verein hinter Borussia Mönchengladbach sogar die Vizemeisterschaft. 1977 erreichte Hertha dann das Endspiel um den DFB-Pokal. Gegen den 1.FC Köln stand es nach Ende der Verlängerung im Niedersachsenstadion in Hannover 1:1. Elfmeterschießen gab es damals nicht, so dass ein Wiederholungsspiel zwei Tage später am selbem Ort die Entscheidung bringen musste. In der 70. Minute schoss Dieter Müller das goldene Tor für den 1.FC Köln. Hertha hatte den Pokalsieg verpasst. Ähnlich erging es den Herthanern zwei Jahre später ebenfalls in Hannover, als sie erneut das Pokalfinale erreichten. Gegner war diesmal Fortuna Düsseldorf, das einzige Tor des Spiels erzielte der Düsseldorfer Seel in der 116. Minute. Dazwischen lag noch ein dritter Platz in der Bundesliga 1977/78, mit dem Hertha sich wieder für den UEFA-Pokal qualifizierte. Trakia Plovdiv, Dynamo Tiflis, Esbjerg BK und Dukla Prag konnte Hertha jeweils ausschalten. Im Halbfinale gegen Roter Stern Belgard unterlag Hertha im Hinspiel mit 0:1, im Rückspiel vor 75.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion führte Hertha lange Zeit durch Tore von Erich Beer (2. Minute) und Wolfgang Sidka (18. Minute) mit 2:0, ehe dann in der 74. Minute Belgrads Sestic alle Finalträume zunichte machte.