Jahre der Tristesse

Eben noch im Pokalfinale und im Halbfinale um den UEFA-Pokal, folgte in der Saison darauf gar der Abstieg aus der Bundesliga! Lediglich zwei Tore fehlten 1979/80 zum Klassenerhalt. Der sofortige Wiederaufstieg misslang. Hinter Werder Bremen und Eintracht Braunschweig belegte Hertha nur den 3. Platz der 2. Liga Nord. Danach wurde die bis dahin zweigeteilte 2. Liga zusammengelegt, und am 22.05.1982 feierten 43.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion neben einem 2:0 Sieg über Hannover 96 auch den Aufstieg in die Bundesliga. Doch die Mannschaft war nicht wirklich bundesligatauglich. Mit lediglich 5 Siegen, 10 Unentschieden und 19 Niederlagen belegte Hertha nur den letzten Tabellenplatz und stieg sofort wieder ab. Auch in der 2. Liga konnte Hertha nun nicht mehr um den Aufstieg mitspielen. Einem 11. Platz 1983/84 folgte ein 14. Platz 1984/85. Als der neue Präsident, Bauunternehmer Heinz Roloff, gerade ein halbes Jahr im Amt war stürzte Hertha auch aus der 2. Liga ab und fand sich in der Berliner (Amateur-) Oberliga wieder. Seine Spiele trug der Verein nun im Poststadion an der Lehrter Straße in Sichtweite der Berliner Mauer aus. Schon in den Jahren zuvor hatte sich eine starke Fanfreundschaft zum 1.FC Union im Osten der Stadt herausgebildet. So hatten zahlreiche Anhänger des 1.FC Union vor allem die UEFA-Cup-Spiele von Hertha BSC im Ostblock dazu genutzt, Kontakte zu knüpfen, die Herthaner revanchierten sich mit Besuchen in der Alten Försterei oder im Stadion der Weltjugend, wo die großen Derbys gegen den Ortsrivalen BFC Dynamo stattfanden und von wo Hertha die Flutlichtmasten des Poststadions gut sehen konnte. So wurde jedes Hertha-Heimspiel auch immer ein wenig eine Demonstration gegen Mauer und Stacheldraht und für den 1.FC Union, als sich nach dem Spiel die Menschenmassen im Lehrter Stadtbahnhof (heute Hauptbahnhof) in die S-Bahn zwängten, um dann nach einer Station, im Bahnhof Friedrichstraße im Ostteil der Stadt, in die Züge der Nord-Süd-S-Bahn oder der U-Bahn umzusteigen. Zwei Jahre später war Hertha dann wieder in der 2. Liga und am 27. Januar 1990, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer, fand im Berliner Olympiastadion vor 51.000 Zuschauern ein viel beachtetes Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und dem 1.FC Union statt, das diesen Namen auch wirklich verdiente. Einträchtig standen rot-weiß und blau-weiß gekleidete Fans gemeinsam in einem Fanblock und feierten ihre Freundschaft. Die Tore von Axel Kruse, André Sirocks und Dirk Greiser waren an diesem Tag wirklich Nebensache. Trotzdem war dieses Freundschaftsspiel vielleicht der Höhepunkt, aber auch der Anfang vom Ende der großen Fanfreundschaft zwischen den beiden Berliner Vereinen. Denn urplötzlich war man zu Konkurrenten in der wieder zusammenwachsenden Stadt geworden.

(Quelle: Das Hertha Kompendium, ISBN 978-3-935759-14-4, Verlag Harald Voß)