Der Aufbruch

Hertha BSC gelang in diesem turbulenten Jahr 1990 die Rückkehr ins Bundesliga-Oberhaus. Der Ausflug in die 1. Bundesliga dauerte nur ein Jahr. Als Tabellenletzter mit neun Punkten Rückstand schlitterte Hertha 1991 zurück in Liga zwei. In den Führungsetagen ging es turbulent zu. Zwei Sportdirektoren, drei Manager und vier Trainer wechselten sich in dieser Zeit ab. Im Frühjahr 1994 stand der Verein mit 10 Millionen Mark in der Kreide. Für einen Lichtblick sorgten 1993 Herthas Amateure. Sie erreichten sensationell das DFB-Pokalfinale. Im Endspiel in Berlin unterlagen sie Bayer Leverkusen mit 0:1 nur knapp. Im September 1994 übernahm Manfred Zemaitat das Präsidentenamt. Damit war der Weg offen für die sich anbahnende Partnerschaft mit der Bertelsmann-Tochter Ufa. Das von dem späteren Präsidenten Bernd Schiphorst geführte Medienunternehmen investierte zunächst 4,5 Millionen Mark. Dank dieser Unterstützung sowie dem Verkauf der Hertha-Villa an Ex-Präsident Roloff startet Hertha BSC mit einem Etat von 9,36 Millionen in die Zweitligasaison 1995/96. Am 1. Januar 1996 wurde Jürgen Röber als Cheftrainer verpflichtet. Mit ihm entkam Hertha am letzten Spieltag, beim entscheidenden 0:0 gegen Wattenscheid, dem Absturz in die Drittklassigkeit. Eine doppelt schicksalhafte Begegnung, denn Jürgen Röber wurde auf einen Wattenscheider Stürmer aufmerksam, den er wenig später an die Spree holte: Michael Preetz. In der folgenden Saison wurde der Grundstein für den weiteren Erfolg des Vereins gelegt. Dieter Hoeneß, der ehemals gemeinsam mit Jürgen Röber die Geschicke des VfB Stuttgart gelenkt hatte, kam erst als Vizepräsident und später auch als Manager zu Hertha. Und der vom VfB Stuttgart zurückgekehrte Axel Kruse wurde zur Symbolfigur beim Sturmlauf in höhere Fußballgefilde. Unvergessen bleibt in dieser Saison das Spitzenspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am 7. April 1997, das Hertha im mit 75.000 Zuschauern ausverkauften Olympia-Stadion mit 2:0 für sich entschied. Bereits am 31. Spieltag war die Rückkehr ins Bundesliga-Oberhaus perfekt, und ganz Berlin witterte eine große Fußballzukunft. Am Ende der turbulenten Spielzeit 97/98 erreichte die Mannschaft einen sicheren 11. Platz. Obwohl die Verantwortlichen Bescheidenheit predigten, wuchsen die Erwartungen der Berliner Fußballanhänger. Sportlich sah es für Hertha so rosig wie schon lange nicht mehr aus. Immer mehr Stimmen forderten den Einzug in einen internationalen Wettbewerb. Doch das Wort "Uefa-Cup" kam vorerst nicht über die Lippen der Hauptdarsteller. Bescheidenheit lautete nach wie vor die Devise. Umso größer war die Freude, als Hertha am 22. Mai 1999, dem vorletzten Spieltag der Saison, erreichte, woran zuvor niemand geglaubt hatte. Ein 2:0-Auswärtssieg beim SC Freiburg garantierte vorzeitig die Qualifikation für die Champions League. Den krönenden Abschluss einer berauschenden Saison bildete am letzten Spieltag ein 6:1-Heimsieg gegen den Hamburger SV. Hertha beendete die Spielzeit auf dem 3. Tabellenplatz und überstand die anschließenden Qualifikationsspiele für die Champions League gegen den zypriotischen Klub Anorthosis Famagusta. Der Weg war frei für die ersten Gehversuche in der höchsten europäischen Spielklasse.