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Was macht eigentlich Paule Beinlich?

Der Ex-Herthaner und Ex-Leverkusener macht jetzt Leichtathletik und schaut Fußball vom Sofa. Wie kams denn dazu?

Berlin - In einem spannenden Finale gewannen am Ende die Herthaner den Titel. Mittendrin: Stefan 'Paule' Beinlich, der gemeinsam mit anderen klangvollen Namen wie Zecke Neuendorf, Michael Hartmann, Dariusz Wosz, Pal Dardai oder Ante Covic den Titel beim AOK Traditionsmasters verteidigte. Es war sein erster Titel mit den Hertha-Legenden, im letzten Jahr trat der 43-Jährige noch für die 'Werkself' an. "Es war wirklich super und hat viel Spaß gemacht. Es ist einfach ein tolles und perfekt organisiertes Turnier. Die Atmosphäre ist großartig, auch weil natürlich immer die Hertha- und Union-Fans dort sind." Die rund 8.000 Fans durften sich über das ein oder andere Kabinettstückchen des Edeltechnikers freuen, der sich auch in die Torjägerliste eintrug.

"Wir hatten schon eine Mannschaft mit sehr hoher Qualität, mit Jungs, die auch noch alle laufen können und keinen dicken Bauch haben", analysierte Beinlich das Erfolgsrezept mit einem Augenzwinkern. "So was macht sich dann natürlich schon bemerkbar. Man hat schon gesehen, dass wir nicht unbedingt das erste Mal nach zehn Jahren wieder gegen den Ball getreten haben." Dass 'Paule' nicht schon bei den früheren Turnieren für die Herthaner im Einsatz war, war Zufall. Als die Blau-Weißen vor drei Jahren anfragten, hatte der ehemalige Mittelfeldspieler wenige Tage zuvor bereits seinem anderen Ex-Verein aus Leverkusen die Zusage gegeben - und natürlich gehalten. Seit dem letzten Jahr trägt Beinlich wieder das blau-weiß gestreifte Trikot.

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Rubrik 04.02.2015
Stefan Paule Beinlich

"Zuhause in der Ersten Liga"

Von 2000 bis 2003 trug Stefan Beinlich als Profi eben jenes Trikot mit der Fahne auf der Brust. 81 Spiele in der Bundesliga sowie im DFB- und UEFA-Pokal absolvierte er zu der Zeit mit der Nummer 22 auf dem Rücken. An seinen Heimeinstand beim 4:1 gegen den Hamburger SV mit zwei Toren und zwei Vorlagen denkt er ebenso gerne zurück wie an seine gesamte Zeit in seiner Geburtstadt. "Es war schon eine tolle Zeit - mit allen Höhen und Tiefen. Dazu kam auch, dass Berlin meine Heimatstadt ist und ich bei Hertha sozusagen zu Hause in der ersten Liga spielen durfte. Und wenn man zurückblickt, hatten wir schon eine sehr erfolgreiche Zeit und eine richtig gute Truppe damals." Mit Herthas U19-Trainer Michael Hartmann ist Beinlich immer noch eng befreundet.

Nach drei Jahren zog es Beinlich erst nach Hamburg, später zu Hansa Rostock, wo er seine Karriere als aktiver Spieler beendete und später die Position des Sportlichen Leiters übernahm. Inzwischen hat Beinlich die Sportart gewechselt und ist Geschäftsführer des 1. Leichtathletik-Verein Rostock. Der Kontakt kam schon zu Hansa-Zeiten zustande, Trainer Frank Pagelsdorf trainierte dort einmal die Woche mit seinen Spielern - auch Beinlichs Frau sowie seine Töchter trainierten bzw. trainieren beim LAV Rostock. Durch die schwere Erkrankung des damaligen Geschäftsführers wollte Stefan Beinlich drei Stunden am Tag aushelfen - inzwischen ist es fast eine Vollzeitbeschäftigung geworden.

Heute Abend muss die App herhalten

MIt 1.300 Mitglieder ist der LAV Rostock der mitgliederstärkste seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern. "Wir probieren, den Verein im Leistungssport ein Stück weiter zu bringen, um den ein oder anderen Sportler in den nächsten Jahren vielleicht in der deutschen Spitze  zu sehen." Dabei profitiert Beinlich von seinen Erfahrungen aus dem Profifußball. "In einem Verein, aus welcher Sportart auch immer, geht es um Menschenführung. Die Finanzen müssen stimmen, man braucht Ansprechpartner im sportlichen Bereich und sucht Sponsoren." Mit den Verantwortlichen wurde daher ein sportliches Konzept bis 2020 aufgestellt und mit dem ehemaligen Speerwerfer Mark Frank kürzlich ein neuer Sportlicher Leiter verpflichtet. Aus dem sportlichen Bereich hält sich Beinlich natürlich raus. "Ich kann keinem 100m-Hürden-Läufer sagen, wie er trainieren muss", weiß er.

Für den Fußball bleibt zumeist nur passiv Zeit: "Ich bin nicht derjenige, der oft ins Stadion geht. Ich sitze dann doch lieber Samstagnachmittag auf der Couch und schaue mir die Konferenz an, damit ich auch alle Tore sehe und drücke jedem Verein, bei dem ich mal gekickt habe, die Daumen." Schwierig wird es, wenn zwei seiner ehemaligen Vereine gegeneinander spielen. "Dann hoffe ich auf ein schönes Spiel und hoffe, dass der bessere gewinnt. Den Herthanern drücke ich natürlich in der jetzigen Situation die Daumen, dass sie so schnell wie möglich Punkte sammeln, um da wieder rauszukommen." Während des Spiels seine Ex-Clubs heute Abend wir ihn seine App auf dem Laufenden halten - ein mehrstündiger Termin verhindert den Fußballabend auf der Couch.

(war/City-Press)