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Was macht eigentlich Andre Mijatovic?

Von Herthas Aufstiegskapitän zu Ingolstadts Nachwuchstrainer. Wir haben mit ihm gesprochen.

Berlin - Mit Andre Mijatovic kehrte Hertha BSC in die 1. Bundesliga zurück. Als Kapitän führte der Innenverteidiger die Blau-Weißen durch die zweite Liga und durfte am Ende als erster die Zweitligaschale in den Himmel recken. Nach seiner Zeit in Berlin zog es den Kroaten weiter nach Ingolstadt - mit den 'Schanzern' schaffte Mijatovic erneut den Aufstieg, beendete jedoch im Sommer seine aktive Karriere und wechselte die Seiten. Am Wochenende kommt es zum Duell seiner Ex-Vereine. Was macht eigentlich Andre Mijatovic inzwischen? Wir haben nachgefragt.

herthabsc.de: Im Sommer bist du als Spieler noch mit dem FC Ingolstadt in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Du hast deine aktive Karriere beendet und bist Co-Trainer eurer U17 geworden. Die richtige Entscheidung?
Andre Mijatovic: Mit ein bisschen Abstand finde ich, das war die richtige Entscheidung, im Sommer aufzuhören. Ich habe im Fußball als Spieler viele schöne Momente erlebt und eine Menge Erfahrungen in meinen Profijahren gesammelt. Ich stehe weiter auf dem Fußballplatz, aber auf der andere Seite der Linie. Ich mache gerade meine Trainerscheine. Die Aufgabe reizt mich sehr.

herthabsc.de: Wie stehst du mit deiner Mannschaft da? Wohin soll es in dieser Saison gehen?
Mijatovic: Wir sind momentan Tabellenführer und haben das Ziel, in die B-Junioren Bundesliga aufzusteigen. Es läuft sehr gut.

herthabsc.de: Wie soll es für dich weitergehen? Sehen wir dich auch irgendwann an der Seitenlinie der Bundesliga stehen?
Mijatovic: Noch ist es zu früh, etwas über ganz genaue Pläne zu sagen. Fußball macht mir sehr viel Spaß, auch wenn der Trainerjob etwas komplett anderes ist, auch viel anstrengender. Als Spieler denkst du mehr über dich als eigene Person nach, als Trainer musst du das große Ganze, die Mannschaft im Blick haben - einen Plan und eine Philosophie haben. Und dieses Wissen muss man dann an die Jungs vermitteln. Das ist auch eine Kunst. Wohin es führt, werden wir sehen.

herthabsc.de: Einen ähnlichen Weg hat auch Pál Dárdai eingeschlagen...
Mijatovic: Ganz ehrlich: Ich habe mit Pál zusammengespielt. Schon da hat man gemerkt, dass er eine Zukunft als Trainer vor sich hat. Das war eigentlich schon von Anfang an klar. Er hat seine Erfahrungen im Nachwuchsleistungszentrum gesammelt und viel über die strukturierte und organisierte Arbeit gelernt - das hat man als Spieler noch nicht in der Form.

"Pál ist ein enorm intelligenter Mensch, der genau weiß, worum es geht."

Andre Mijatovic über seinen früheren Mitspieler Pál Dárdai.

herthabsc.de: Was zeichnet Pál Dárdai in deinen Augen als Trainer aus?
Mijatovic: Pál ist ein enorm intelligenter Mensch, der genau weiß, worum es geht. Mit Druck konnte er schon als Spieler sehr gut umgehen. Er ist eine große Persönlichkeit und bei Hertha fast schon so etwas wie eine Legende. Es wundert mich überhaupt nicht, dass er das bisher so gut geschafft hat.

herthabsc.de: Mit Herthas Trainer hast du hier in Berlin zusammengespielt. Denkst du noch an die Zeit zurück?
Mijatovic: Das war schon eine richtig schöne Zeit, obwohl es auch weniger schöne Momente gab. Das Positive bleibt aber in Erinnerung. Die Mannschaft als Kapitän von der zweiten in die erste Liga zurückzuführen war schon ein wirklich großartiges Erlebnis. Hertha ist ein Riesenverein mit einem fantastischen Publikum - ich habe es schon häufiger gesagt: Für mich gehört Hertha BSC in das obere Tabellendrittel der Bundesliga. Ich hoffe, sie werden sich weiter stabilisieren.

herthabsc.de: Von Hertha ging es nach Ingolstadt. Wie groß war der Unterschied?
Mijatovic: Ingolstadt ist etwas komplett anderes, wenn man Verein, die Stadt und das Umfeld vergleicht. Es ist alles kleiner und auch ruhiger. Mit den Möglichkeiten hier hat man es trotzdem geschafft, etwas Großes zu erreichen und in die erste Liga aufzusteigen. Der Verein hat einen eigenen Weg gefunden und steckt auch immer noch in einem Entwicklungsprozess. Es macht viel Spaß, diesen Weg zu verfolgen und zu begleiten. Deshalb bin ich auch sehr dankbar, dass mir der Verein die Möglichkeit gegeben hat, dass ich mich hier als Trainer beweisen kann.

Der Kapitän: Andre Mijatovic

herthabsc.de: Die 'Schanzer' zählen zu den Überraschungen der bisherigen Saison. Was macht die Stärke aus?
Mijatovic: Die Mannschaft hat natürlich enorm viel Selbstvertrauen durch die bisherigen Ergebnisse und natürlich auch durch die Euphorie, die der Aufstieg ausgelöst hat. Die Mannschaft vertraut dem Trainer blind - das funktioniert bisher sehr gut, auch wenn wir am letzten Wochenende in Stuttgart verloren haben - unverdient, wie ich finde.

herthabsc.de: Wie intensiv ist dein Kontakt in deine alte Heimat Berlin noch?
Mijatovic: Nach Berlin habe ich noch einige Kontakte. Viele meiner Mitspieler sind inzwischen ja schon gar nicht mehr da, Thomas Kraft oder Fabian Lustenberger kenne ich noch. Ich freue mich immer, die Jungs zu sehen, auch Michael Preetz oder Werner Gegenbauer, die ich sehr schätze.

herthabsc.de: Verfolgst du die Spiele von Hertha BSC?
Mijatovic: Ja, eigentlich immer, wenn ich kann. Ich kenne die Mannschaft gut, ihre Stärken und Schwächen - ok, Schwächen hat das Team momentan nicht so viele. Man sieht die Handschrift der Trainer Pál Dárdai und Rainer Widmayer, der ja damals auch mein Trainer war. Rainer ist ein Fußballverrückter, den ich sehr schätze und mich freue, ihn wieder bei Hertha zu sehen.

herthabsc.de: Jetzt kommt es zum Duell deiner Ex-Vereine. Wirst du dabei sein? Was erwartest du vom Spiel?
Mijatovic: Ich werde definitiv im Stadion sein. Gegen Ingolstadt ist es schwer, ein Tor zu machen, weil sie defensiv sehr gut stehen. Vorne tun sie sich allerdings auch nicht so leicht, Tore zu schießen. Hertha ist auch viel kompakter geworden, die Defensive steht gut, auch wenn Pál in dieser Saison viel offensiveren Fußball spielen lässt. Das wird bestimmt ein ganz enges Spiel, bei dem wenige Kleinigkeiten entscheiden werden.

(war/City-Press)