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"75.000 haben gepustet, damit der Ball reingeht"

Axel Kruse bestritt 64 Spiele für Hertha BSC und prägte die Zweitligapartie am 07. April 1997 gegen den 1. FC Kaiserslautern im ausverkauften Olympiastadion.

Berlin - Zweitliga-Gipfel! Herthas Gegner: 1. FC Kaiserslautern! Montag, Live-Spiel im Fernsehen! Ja, also heute! Nee, gab es schon mal. Vor 16 Jahren, am 7. April 1997. Keiner der 75.000 Zuschauer, die damals im Olympiastadion waren, wird dieses Spiel vergessen, zumal die Blau-Weißen in einem mitreißenden Match den damaligen Tabellenführer 2:0 besiegten, sich selbst an die Spitze katapultierten und sich den letzten Kick für den späteren Aufstieg gemeinsam mit den Roten Teufeln und dem VfL Wolfsburg holten.

Allerbeste Erinnerungen an dieses legendäre Spiel hat auch Axel Kruse, damals der Kapitän der Blau-Weißen und in der 25. Minute der Schütze zum 1:0. "Ich lief quer zum Tor", erzählt Kruse, "Lauterns Torhüter Gerald Ehrmann kommt weit raus, da drehe ich den Ball aus 30 Metern Richtung Tor. Nicht mit voller Kraft, weil ich Angst hatte, dass mich ein Verteidiger weggrätscht, wenn ich zum Schuss weit aushole. Und dann ist der Ball getrudelt und getrudelt und getrudelt. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis er endlich im Tor lag. Ich glaube, die meisten der 75.000 Zuschauer haben gepustet, damit er überhaupt hinter die Linie rollt."

Torschütze nach Pferdekuss auf die Bank

Kruse, in seiner Spielweise und mit seinen Worten immer ein Geradeaus-Stürmer, hat das Ende des Spiels nicht mehr auf dem Rasen erlebt. An einem gegnerischen Knie blieb er hängen, holte sich einen Pferdekuss und musste nur sechs Minuten nach seinem Treffer ausgewechselt werden. "Ich habe es noch ein paar Minuten versucht, aber es ging nicht mehr", erinnert sich der Angreifer. Trotzdem genoss Kruse gemeinsam mit seinen Mitspielern und mit Trainer Jürgen Röber und dessen Assistenten Bernd Storck das einmalige Erlebnis. "Noch heute sprechen mich Leute so um die 30 an und sagen, dass sie damals das erste Mal im Stadion waren und seitdem Hertha-Fans sind."

Nach dem Aufstieg ging es mit der Karriere des Angreifers aber ziemlich schnell zu Ende. Nach acht Spielen in der Bundesliga eigentlich war Schluss. Im Auswärtsspiel auf Schalke gab ihm der damalige 04-Torhüter Jens Lehmann bei einem Zusammenprall den Rest. Mit einer Kopfverletzung musste Kruse ins Krankenhaus, kam nach einer dreiwöchigen Pause zwar wieder, aber nur für drei Joker-Einsätze. Am 8. November 1997 und einem 2:0-Heimsieg gegen 1860 München war nach 191 Erstligaspielen und 35 Toren für Hansa Rostock, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart das Ende da.

Karriereende mit 30 Jahren

Für die Blau-Weißen bestritt Kruse außerdem 41 Zweitligaspiele, in denen er 22 Tore erzielte. Dabei war er, Jahrgang 1967, zum Karriere-Ende erst 30 Jahre alt. "Aber ich hatte mit Verletzungen zu tun", sagt er, "ich hatte mir die Patellasehne gerissen, auch waren meine Knie nicht mehr in Ordnung und Rückenprobleme hatte ich auch. Bei manchem kommt es später, bei mir kam es früher." In seiner nie beschönigenden Ausdrucksweise heißt es so: "Körperlich war ich ein Müllhaufen."

Sportlich aktiv blieb er dennoch, ob kurze Zeit in Herthas Altliga-Team, als Kicker bei den Berlin Thunder, dem American Football-Team, für das er 130 Punkte holte, Top-Scorer wurde und zwei World Bowl-Titel gewann, oder als Trainer der Verbandsliga-Fußballer von Tasmania Gropiusstadt. Auch führte er einst gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitspieler und heutigen Hertha-Zeugwart Hendrik Herzog 'Kruses Sportsbar', eine Erlebnisgaststätte an der Jannowitzbrücke.

Früher Stürmer, heute Journalist und Geschäftsführer


Über allem steht seine Liebe zu Hertha BSC, zumal Kruse weiterhin ganz eng mit dem Fußball verbunden blieb und lediglich die Seiten gewechselt hat. Er verfolgt das Geschehen hautnah als Journalist. Seine Analysen bei LIGAtotal gemeinsam mit Thomas Helmer und Thomas Strunz oder seine Einsätze als Reporter bei Sport1 weisen ihn als Experten aus. Diese Tätigkeiten sind jedoch nur das zweite Standbein, im Hauptjob ist Kruse Geschäftsführer der Film- und TV-Produktionsfirma 'farbfilm media'.

Seine hauptsächliche Aufgabe ist es, Werbespots zu drehen. Kruse: "Jüngst haben wir einen über den neuen Personalausweis gemacht." Auch für Herthas Hauptsponsor Deutsche Bahn ist er aktiv und unter anderem für die Sendung 'Spielzug' zuständig. Außerdem tritt er, zum Beispiel bei Mitgliederveranstaltungen wie 'Hertha im Dialog' als Moderator auf. Damit ist klar: Der Fußball und die blau-weiße Hertha lassen einen wie Axel Kruse nie los.